Hegeplanverordnung

Hegeplanverordnung

Ordnungsbehördliche Verordnung zu § 30a Landesfischereigesetz (Hegeplanverordnung),
Vom 12. Dezember 1997

Aufgrund des § 30 a Abs. 1 und 4 des Landesfischereigesetzes in der Fassung der
Bekanntmachung vom 22. Juni 1994 (GV. NW. S. 516) wird im Einvernehmen mit dem
Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Naturschutz des Landtags und nach
Anhörung des Beirates für das Fischereiwesen verordnet.

§ 1
Gewässer oder Gewässersysteme mit besonderer fischereilicher und ökologischer Bedeutung,
für die die Fischereiberechtigten gemäß § 30 a Abs. 1 Hegepläne aufzustellen haben, sind in
der Anlage 1 aufgeführt.

§ 2
Form und Mindestinhalt der Hegepläne werden gemäß § 30 a Abs.4 in dem in der Anlage 2
enthaltenen Formular mit Erläuterungen festgelegt.

Diese Verordnung tritt am Tag nach der Verkündung in Kraft.

Anlagen -nur auszugsweise-

Anlage 1
Gewässer oder Gewässersysteme mit besonderer fischereilicher und ökologischer Bedeutung
für die Hegepläne gern. § 30 a Abs. 1 LFischG aufzustellen sind

Erläuterungen zu den Begriffen "Ertrag" und "nachhaltige Nutzung"

Begriffsdefinition
Das Fischereigesetz gestattet und regelt in § 3 Abs. 1 die Nutzung der Gewässer. In § 3 Abs. 2
ist die Verpflichtung zur Hege beschrieben. Die entnehmbare Fischmenge ist der Ertrag. Bei
der nachhaltigen Nutzung wird der Ertrag so bemessen, dass durch die Entnahme von Fischen
der Fortbestand der Fischarten im Gewässer auch über lange Jahre gesichert wird.

Nachhaltige Nutzung in der Kulturlandschaft
Dies muss auch zutreffen in Gewässern, die durch menschliche Einflüsse gegenüber dem
Urzustand verändert sind, d.h. also Gewässer unserer Kulturlandschaft. Dort. wandeln sich die
Lebensbedingungen unter Umständen schneller als in unbeeinflussten Gewässern.
Katastrophale Veränderungen wie z.B. Fischsterben infolge aktueller
Gewässerverschmutzungen sind damit aber nicht gemeint. Der Fischbestand beeinträchtigter
Gewässer ist in der Regel artenärmer und kleiner. Durch den zivilisatorisch bedingten,
erhöhten Nährstoffeintrag kann sich der Fischbestand bestimmter, in der Regel robuster Arten
(Rotauge, Barsch) gegenüber dem unbeeinflussten Gewässerzustand aber auch erhöhen.

Das Ökosystem Gewässer und der fischereiliche Ertrag
In einem Gewässer gibt es wie in jedem Ökosystem ein Nahrungsnetz (Nahrungsgefüge). Die
Fische sind ein Teil davon. Ihr Körpereiweiß, das wir zur Ernährung nutzen, bauen sie aus
ihrer Nahrung auf: z.B. Pflanzen (Algen, höhere Pflanzen), Plankton (Kleinkrebse),
wirbellose Bodentiere (z.B. Schnecken, Zuckmückenlarven, Steinfliegenlarven),
Anflugnahrung und auch andere Fische. Die Angelfischerei nutzt daher einen Teil der
natürlichen Produktion eines Gewässers.

Bestand und Nutzung
Fische haben in aller Regel eine hohe natürliche Sterblichkeit. Sie beträgt im ersten Jahrgang
der Forelle 90 %, bei Forellen von Setzlingsgröße immerhin noch 50 %. Als Durchschnitt
auch für mehrjährige Fische kann man bei der Forelle z.B. 50 % setzen. Für die Erfassung des
Zusammenwirkens der natürlichen und der fischereilichen Sterblichkeit gibt es aufwendige
Mess- und Rechenverfahren, die im Rahmen des Hegeplans nicht angewendet werden
können.
Die Entnahme soll nicht zu nachteiligen Veränderungen im Bestandsaufbau einer bestimmten
Fischart führen. Die nachteilige Veränderung kann z.B. darin bestehen, dass zu wenige
Laichfische vorhanden sind, um den Fortbestand der Art durch die natürliche Reproduktion zu
gewährleisten, oder dass durch die Bevorzugung einer bestimmten Fischgröße im Fang ein
sehr ungleichgewichtiger Altersaufbau entsteht. Durch spezielle Schonvorschriften
(insbesondere Mindestmaße und Schonzeiten) sowie durch angepasste Fangregelungen am
Gewässer soll dieser ungleichgewichtige Altersaufbau vermieden werden.

Nahrungsnetz und Nutzung
Abgesehen davon, dass die Nachkommenschaft einer Fischart stets ausreichend gesichert sein
muss, ist auch die Stellung der Fische selbst im Nahrungsnetz zu beachten. D.h., der Fisch
nutzt Pflanzen oder andere Tierarten oder wird selbst von anderen Tieren genutzt. Dabei fällt
die Nutzung des Lebensraums durch den Fisch in den einzelnen Lebensstadien jeweils anders
aus: Junge Barsche z.B. leben von Plankton und Bodentieren, während ältere Barsche
Raubfische sind. Es ist für diese Fischart bekannt, dass sie auch ihre eigene Brut und
Jungfische frisst. Es besteht also eine gewisse Selbstregulation.
Krankheiten und Parasiten wirken ebenfalls regulierend auf die Größe eines Fischbestandes
(natürliche Mortalität). Ferner ist Fischbrut oft Beute von Insektenlarven, während größere
Fische außer von Menschen meist von Raubfischen und fischfressenden Vögeln genutzt
werden. Dem Schutz der Nahrungsgrundlage und der Stellung im Nahrungsnetz kommt also
eine wichtige Bedeutung für die Biozönose zu, die nicht durch falsch Nutzung gefährdet
werden darf.

Schutz des Lebensraumes
Durch die Art der Nutzung darf auch der Lebensraum insgesamt nicht so verändert werden,
dass sich schon allein daraus die oben beschriebenen Probleme im Fischbestand ergeben. Wie
schon dargestellt, ist der Fisch Teil des Ökosystems "Gewässer", so dass alle Veränderungen
des Systems auch ihn betreffen. Somit ist die nachhaltige Nutzung auch immer mit dem
Schutz, Erhalt und - bei Schäden - mit der Entwicklung des Lebensraumes verbunden.
Besondere Beachtung verdient dabei die Gewässerunterhaltung. Diese muss nach meinem
RdErl. vom 26. 11. 1984 (SMB1. NW. 791 tgba.org) die fischereilichen Belange
berücksichtigen. Gewässerstrukturschäden lassen meist nur denjenigen Arten
Lebensmöglichkeiten, die sehr robust sind. Dies gilt besonders für das Laichverhalten.
Grundregel der nachhaltigen Nutzung
Für die naturnahe und damit nachhaltige Nutzung gilt, dass alle Fischarten genutzt werden
können und sollen, die nach den gesetzlichen Bestimmungen für eine Nutzung zugelassen
sind. Die Bevorzugung einiger weniger Fischarten ist nicht im Sinne einer nachhaltigen
Nutzung, d.h. dass z.B. nicht nur Karpfen und Schleien gefangen werden sollten, sondern
auch Brassen und Rotaugen. Eine naturnahe Bewirtschaftung eines Gewässers hat als Ziel,
den natürlichen Fischbestand in seiner ganzen Breite - wenn möglich ohne Besatz - zu nutzen
und nicht nur die besonders beliebten Angelfische zu fangen und diese dann auch massiv zu
besetzen, sondern dass man den natürlichen Fischbestand in seiner ganzen Breite nutzt und
sich somit auch einen Teil des Besatzes ersparen kann. Dabei ist nämlich zu bedenken, dass
die eingesetzten Fische zu den naturgemäß aufkommenden Fischarten in Nahrungskonkurrenz

treten und evtl. sogar die bodenständigen Fische gefährden können. Überbesatz mit
Raubfischen kann im Extrem sogar die Kleinfische schädigen, die dann einem zu großen
Fraßdruck unterliegen. Man kann durch falschen Besatz also völlig an den natürlichen
Gegebenheiten des Gewässers vorbeiwirtschaften. Bei Besatz ist stets die Zulässigkeit nach §
3 Abs. 2 Satz 2 des Landesfischereigesetzes zu prüfen und entsprechend zu verfahren. Die
natürliche Artenzusammensetzung muss erhalten bleiben.

Methodik der Bestandserfassung und Ertragsberechnung
Wenn man wissenschaftlich ganz genau wissen will, wie viel Ertrag aus einem Gewässer und
hierbei auch von einer bestimmten Fischart zu erwarten ist, muss man den Bestandsaufbau,
den Umfang der Reproduktion und die natürliche Sterblichkeit der Fische in den
verschiedenen Jahrgängen erfassen. Dabei muss die sog. Produktion erfasst werden, die die
Basis für die Ertragsabschätzung darstellt. Diese ist für jede Fischart, für jeden Gewässertyp
und jedes Jahr unterschiedlich. Nicht für jede Fischart sind verlässliche Grunddaten bekannt.
Gleichzeitig muss man auch die fischereiliche Sterblichkeit durch die Angelfischerei erfassen.
D. h., auch eine sorgfältige Fangstatistik und ein Wissen über die Zahl der aktiven Angler ist
erforderlich.
Dies ist alles zusammen allein technisch schon sehr schwierig. Die Berechnung der Größe des
Fischbestandes bleibt aber auch dann eine schwierige Aufgabe, wenn alle nötigen Daten
vorliegen. Die Probleme der Fischfangquoten für die Weltmeere sind wohl jedem bekannt.
Dazu zählt dann gerade auch die Umsetzung der wissenschaftlichen Empfehlungen. Daraus
folgt für den Hegeplan, dass mit Schätzungen und vorsichtigen Annäherungen gearbeitet
werden muss. Im Zweifelsfall, insbesondere bei drohenden Schäden für die
Gewässerbiozönose, ist die Nutzung zurückhaltender auszuüben.
Da eine genaue, streng wissenschaftliche Ermittlung der Ertragsfähigkeit einzelner
Fließgewässer schon wegen des unverhältnismäßig großen Aufwandes völlig unmöglich ist,
kann hier nur ein Schätzverfahren angewendet werden. Dieses muss allerdings auf
verlässlichen Grunddaten beruhen. Solche verlässlichen Daten können die Ergebnisse von
Elektrobefischungen der Gewässer und eine über Jahre geführte Fang- und Besatzstatistik der
Angelfischer sein. Nur langfristige Aussagen können die Entwicklung der Fischfauna über
größere Zeiträume erkennbar machen. Ferner ist es wichtig, den Angelertrag auch mit der
Anzahl der Angler und ihrem fischereilichem Aufwand in Bezug zu setzen. Es ist ja nicht
egal, ob der Ertrag eines Angelvereins an einer Gewässerstrecke von ca. 100 aktiven Anglern
oder nur von 30 aktiven Anglern erzielt wurde. Evtl. können angebliche Rückgänge im
Fischbestand. wie sie über den Fangertrag ermittelt werden, auf eine zurückgehende Zahl der
Angler zurückzuführen sein. Der Fangerfolg ist auch für jeden Angler unterschiedlich. je nach
Zeitauf wand und Erfahrung. Hier dürfen keine Fehlinterpretationen gemacht werden. Nach
der geltenden Verwaltungsvorschrift zum Landesfischereigesetz sind für Salmonidenfischer
etwa 15 kg pro Hektar und Jahr und Cyprinidenfischer etwa 5 kg pro Hektar und Jahr
anzusetzen.
Bei der Elektrofischerei ist zu bedenken, dass mit der zunehmenden Größe eines Gewässers
der Fangerfolg geringer ist. D.h., dass bei sehr großen und tiefen Fließgewässern die
Ergebnisse mit einer gewissen Unsicherheit behaftet sind. Man wird in aller Regel den
Fischbestand um einiges unterschätzen. Korrekturfaktoren existieren hierfür leider zur Zeit
nicht.
Zur Ermittlung des Ertrages eines Fließgewässers existieren auch andere Schätzverfahren. bei
denen über die Wirbellosen-Fauna und einige morphometrische und physikalische Kenndaten
des Gewässers versucht wird, den Ertrag zu berechnen. Diese Verfahren sind allerdings sehr
aufwendig und können deshalb vermutlich nur im Einzelfall angewendet werden.
Der gangbarste Weg der Ertragsabschätzung dürfte sein, die Ergebnisse von verlässlichen
Befischungen mit den Ergebnissen von langjährigen Fang- und Besatzstatistiken in Beziehung

zu setzen und daraus für jede einzelne Fischart mit ihren charakteristischen Eigenschaften und
dem dazugehörigen Beangelungsumfang den Ertrag schrittweise angenähert zu schätzen. D.h.
also, dass die Ertragsabschätzung sich im Laufe der Jahre (jeweilige Neufassung des
Hegeplans tgba.org ) dem tatsächlichen Wert annähern wird. In aller Regel besteht nämlich
nicht die Gefahr, dass durch die Angelfischerei ein Gewässer überfischt wird. Dies kann
lediglich bei einigen Fischarten, die einem besonderen Angeldruck unterliegen oder besonders
erfolgreich gefangen werden können, der Fall sein, wie z.B. bei der Bachforelle. Schwierig
wird es auch bei einigen Fischarten sein, deren Nachwuchs sehr schwankend ist, wie z.B. bei
der Äsche. Fische mit hohem Reproduktionspotential wie Barsch, Rotauge und Brasse
unterliegen mit großer Sicherheit nicht der Gefahr, überfischt zu werden.
Es ist auch zu bedenken, dass jedes Jahr die Nachkommenschaft einer bestimmten Fischart in
unterschiedlichem Umfang aufkommen und es so zu starken und schwachen Jahrgängen
kommen kann. Es ist auch denkbar, dass eine bestimmte Fischart, die in Konkurrenz mit einer
anderen steht, im Laufe langer Jahre ins Hintertreffen gerät und so schon aus natürlichen
Gründen seltener wird. Dieses kann dann auch damit zusammenhängen, dass das Gewässer
seine Charakteristik ändert und somit bestimmte Fischarten im Laufe der Jahre bevorteilt. Ein
Beispiel dafür ist das Wechselverhältnis zwischen Hecht und Zander.

Umfang der Nutzung
Im Prinzip kann man davon ausgehen, dass eine angelfischereiliche Nutzung, die über lange
Jahre konstant gehalten werden kann, einer nachhaltigen Nutzung entspricht, sofern bei
Elektrotestbefischungen im Abstand von etlichen Jahren keine wesentlichen Veränderungen
im Bestand auffallen.
Als Maßzahl kann man sage, dass zwischen 20 % und 30 % des Gesamtfischbestandes
(Biomasse) aus einem Gewässer jährlich abgeschöpft werden kann. Diese Maßzahl ist jedoch
anhand des oben Gesagten immer wieder zu überprüfen. Nimmt eine Fischart oder innerhalb
dieser der Anteil fangfähiger Fische unerwartet stark ab, so kann eine Überfischung vorliegen.
Dann muss der Fang verringert werden. Dies kann z.B. durch eine Fangbegrenzung,
Mindestmaße oder eine Schonzeit geschehen, die in Einzelfällen durchaus über den
gesetzlichen Mindestanforderungen liegen können.

Erfahrungswerte zum natürlichen Ertrag (verschiedene Autoren)

Forellenregion, 10- 50 kg pro Hektar bei kalkarmen Gewässern
Forellenregion, bis 200 kg pro Hektar bei kalkreichen Gewässern
Äschenregion 25-100 kg pro Hektar
Barbenregion 50-150 kg pro Hektar
Brassenregion 100-200 kg pro Hektar.

Hinweis: Je höher der Strukturreichtum des Gewässers, je unterschiedlicher die
Fließgeschwindigkeit und die Substratzusammensetzung, desto näher liegt der natürliche
Ertrag beim jeweils höheren Wert.

Fischereiliche Intensität nach TESCH und WEHRMANN (1982)

Extensiv: 50 Angelstunden entsprechend 10 kg pro Hektar und Jahr
Mittel: 50 bis 900 Angelstunden entsprechend 10-30 kg pro Hektar und Jahr
Intensiv: mehr als 200 Angelstunden entsprechend über 30 kg pro Hektar und Jahr.